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"Tabus"
We hatte selbst nach vier Monaten Rekrutenzeit keine Vorstellung von dem, was heute Vormittag auf ihn zukam: nie sah er einen Sterbenden, noch einen Erschossenen, schon gar keinen Hinzurichtenden.
Pünktlich um zehn schritt er auf Lehmann und Hübner zu, blieb stehen, bekam keinen Laut heraus. Sein Kopf grüßte mit knapper Bewegung, wurde stillschweigend durch das Erheben der rechten Hand belehrend erwidert.
Die Kameraden seiner Kompanie nahten aus der entgegengesetzten Richtung. We kannte sie alle, ebenso die beiden Abkommandierten, wie er um die zwanzig.
Der spindeldürre Urberliner mit schütterem Haar sprach stets eilig, seine Worte überschlugen sich, seine Zunge stolperte.
Der Andere, ein untersetzter witziger Bursche, hatte nervöse Zuckungen unter dem rechten Auge.
We flehte sein Gedächtnis an, ihre Namen zu finden. Wie einer, der viel lieber geblieben wäre, stieg er in das Militärfahrzeug ein. Die Rekruten nach hinten. Vorn Feldwebel Lehmann und Unteroffizier Hübner. Der Motor sprang an. Das Abfahren bewegte die Gesichter…
Dreizehn uniforme Gestalten in drei Zellen.
We sah nur wenige Schritte entfernt in der Vollstreckerzelle Schussbereite und sich zuhinterst in der Zuseherzelle mit nichtstuenden Zeugen.
Er ersah mehr als da war. Zuvorderst in der Todeszelle schon Opfer und Bewacher.
"Um Gottes willen!", ruft er in sich hinein. "Sind die von allen guten Geistern verlassen?" Die Lippen bewegen sich wie bei einem inbrünstigem Gebet, ohne zu wissen, wer das erhören soll.
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