Cover Tabus
 
"Tabus"

An einem Caféhaustag im Juni 2005 saßen die freie Autorin Christiane Klamt und ein älterer Herr zufällig an einem Tisch. Er gesprächswillig. Sie verhalten. Zunehmend interessierte sie sich für das Erzählte des 85jährigen Mannes, der, wie befreit von seiner selbst, bereit war, seine Lebensgeschichte preiszugeben, sich sein Leben von der Leber zu reden…
Die Geschichte des begabten Tischlers Hans, der unfreiwillig im Februar 1940 in Berlin-Spandau eingezogen wurde, im Mai desselben Jahres als blutjunger Zwanzigjähriger an einer Hinrichtung von eigenen Kameraden teilnehmen musste, Frontsoldat im Barbarossafeldzug gegen Russland war, sich 1943 in Litauen bewusst "kriegsuntauglich" ins linke Bein schoss, aus dem Lazarett wieder in den barbarischen Krieg befohlen wurde. Er wollte keinem Feind sein, schon gar nicht auf etwas Lebendiges schießen müssen! 1945 geriet er in russische Kriegsgefangenschaft, musste fünf lange Jahre unter unmenschlichen Bedingungen Zwangsarbeit leisten.
Über sechzig Jahre hat der 85Jährige seine Lebensgeschichte verschwiegen, alles in sich verkapselt - aus Scham, aus Angst vor Bestrafung seiner versuchten Fahnenflucht, Verfemung. Darum will er bis heute seinen Namen nicht preisgeben - nennen wir ihn Obergefreiter We.
Die Autorin bewegte ihn in sehr vielen, sensibel geführten Gesprächen dazu, seine Leidensgeschichte zu offenbaren. Aus Kopf und Herz über Jahrzehnte verbannte Vergangenheit rief sie wertvolle zeitgeschichtliche Erinnerungen eines der letzten Zeugen des verheerenden Zweiten Weltkrieges wach. Zersplitterte Bruchstücke ergaben nach und nach ein Bild.
Bisher nie so geschrieben - eine authentische männliche Antikriegsgeschichte, wahrgenommen aus der Sicht einer Frau.
"Tabus" - eine historisch belegte zehnjährige dramatische Odyssee - in freier literarischer Bearbeitung. Ein einmaliger, historischer Erlebnisbericht.